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Die letzte Blüte der Heimindustrie beginnt

1830

Seit dem späten 17. Jahrhundert verbreitete sich im Ägerital ein neues Handwerk: Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter spannen Wolle für Zürcher Textilunternehmer oder -verleger, welche die Rohstoffe lieferten und die Produkte abnahmen. Die «Heim-» oder «Hausindustrie» genannte Produktionsform im «Verlagssystem» bot eine neue Existenzgrundlage ausserhalb der Landwirtschaft, führte aber auch in neue Abhängigkeiten.

Im 19. Jahrhundert bedrängte die aufkommenden Fabrikindustrie das heimindustrielle Gewerbe, das in der um 1830 aufkommenden Seidenweberei seine letzte grosse Blüte erreichte. 1850 waren in Oberägeri fast 300 Personen, meist Frauen und Kinder, im Seidengewerbe beschäftigt.

Fast alle arbeiteten für Zürcher «Seidenherren» aus dem Knonaueramt und vom Zürichseeufer. So genannte "Fergger" verteilten die zu webende Seide an die Weberinnen, kontrollierten die gewobenen Tücher und berechneten den Weblohn, was ihnen eine starke Position gab, da sie mit Prämien oder Abzügen über das Wohl und Wehe ganzer Familien entscheiden konnten.

Die Seidenweberei war in ihren guten Zeiten eine ergiebige Einnahmequelle und verschaffte vielen Haushalten einen wichtigen Zusatzverdienst. Sie war aber auch mit Ausbeutung und misslichen Arbeitsverhältnissen verbunden und zudem sehr von den Launen der Mode abhängig.

Im späten 19. Jahrhundert erfasste die Mechanisierung auch die Seidenweberei. Die mechanischen Seidenwebstühle in den Fabriken arbeiteten billiger, schneller, zuverlässiger, ermüdeten nicht und konnten rasch auf Geschmacksänderungen in der Mode reagieren. Die Heimweberei war nicht mehr rentabel. Sie geriet in die Krise und verschwand bis um 1910 fast ganz.


Bild: Heimarbeiterin am Webstuhl in einer Oberägerer Bauernstube, 1910/40. Im 20. Jahrhundert arbeiteten nur noch wenige Frauen in der einst blühenden Heimweberei.


 

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