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Jakob Vetsch: Der Utopist und Gemeindepräsident

1879 - 1942

Ende 1942 starb nach kurzer Amtszeit der Oberägerer Gemeindepräsident Dr. Dr. Jakob Vetsch (1879–1942). Damit endete der Lebensweg eines besonderen Mannes, der ihn weit aus der bürgerlichen Gesellschaft heraus und später wieder hinein geführt hatte.

1922 verzichtete der 43-jährige, aus dem Toggenburg stammende Jakob Vetsch überraschend auf den Fortgang seiner Karriere, um ein Buch zu schreiben. Vetsch hatte es schon weit gebracht: Er hatte sich aus ärmlichen Verhältnissen emporgearbeitet, Germanistik und Jura studiert, 1918 eine Frau aus reichem Haus geheiratet und sich als erfolgreicher Sekretär des Schweizerischen Bierbrauer-Verbandes eine solide Basis für einen weiteren Aufstieg in der Wirtschaftswelt geschaffen.

Anfang 1923 wurde alles anders, als seine Bekannten und Verwandten, Zeitungsredaktionen, Bibliotheken und Pfarrherren seinen mit „Die Sonnenstadt“ betitelten "Roman aus der Zukunft" erhielten. Darin überzog Vetsch die bürgerliche Gesellschaft und Wirtschaft, Kirche und Staat, Kapitalismus und Kolonialismus aus der Perspektive einer utopischen Stadt des Jahres 2100 mit vernichtender Kritik, die aus einer langen und intensiven Beschäftigung mit den grossen Problemen der Zeit, aus den Erfahrungen von Kriegen, Revolutionen und Wirtschaftskrisen erwachsen war.

Vetsch rechnete zuversichtlich mit dem Erfolg des "Mundismus", wie er seinen Entwurf einer idealen, sorgenfreien Weltgesellschafts- und Wirtschaftsordnung nannte. Die Öffentlichkeit nahm aber seine Kritik sehr distanziert bis ablehnend auf, seine Verwandtschaft grenzte ihn aus und versuchte, ihn zum Geisteskranken zu stempeln. Vetsch gab bald auf. Seine Karriere war zerstört, er selbst hatte bei der Produktion seines Buches übernommen und ging Konkurs. Seine reiche Frau hielt aber zu ihm und erlaubte ihm, fortan als Privatier zu leben.

1934 zog sich die Familie Vetsch nach Oberägeri zurück, wo sie sich im "Seehöfli" ein bequemes Refugium einrichtete. Vetsch war zwar ein Sonderling, aber im Dorf dennoch wohlgelitten. Er besass eines der wenigen Automobile im Ägerital, fuhr mit einem schnellen Motorboot auf dem Ägerisee herum und führte das äusserlich sorglose Leben eines «Sonnenmenschen», war aber bereit, als die Öffentlichkeit ihn brauchte.

1940 übernahm Jakob Vetsch die Führung der gemeindlichen Wehrmanns-Ausgleichskasse und des Rationierungsbüros. Im März 1942, wenige Monate vor seinem Tod, wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Portiert hatte ihn die Freisinnige Partei, was zeigt, dass Vetsch wieder ins Bürgertum zurückgekehrt war, von dem er sich einst radikal losgesagt hatte.


Bilder: Jakob Vetsch in jüngeren Jahren und sein Buch, mit dem er das Bürgertum aufschreckte


 

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